Nachrichten

Massey Ferguson feiert den 75. Geburtstag des MH-20 – dem weltweit ersten selbstfahrenden Mähdrescher

Auf der SIMA in Paris beginnt Massey Ferguson die Feierlichkeiten zu Ehren des 75. Jahrestages der Einführung des MH-20 – des weltweit ersten selbstfahrenden Mähdreschers.

Bei seiner Einführung in 1938 läutete der MH-20 eine Revolution der Erntetechnik ein. Zum ersten Mal konnte der Traktor von den bis zu diesem Zeitpunkt gezogenen Dreschmaschinen mit Schneidwerk getrennt werden. Die gewaltige Leistungssteigerung führte zu deutlich höherer Produktivität, vor allem in größeren Ackerbaubetrieben. Die Maschine war nicht nur ein Quantensprung in der Mechanisierung der Betriebe, sondern führte auch zur Verbreitung der heute allgemein bekannten Bezeichnung Mähdrescher. Die meisten der darauf folgenden Innovationen innerhalb der Erntetechnik hätte es ohne die Erfindung des Mähdreschers nicht gegeben.
Massey Ferguson ist bis in die Gegenwart ein Pionier bei der Umsetzung neuer Ideen. Durch die jahrzehntelange, enge Zusammenarbeit mit Landwirten in Entwicklung und Produktion neuer Landmaschinen, meistert MF aktuelle und zukünftige Herausforderungen. MF ist der historisch gewachsene Katalysator für neue Ideen und verbesserte Verfahren und wird auch in Zukunft diese Rolle mit Leidenschaft wahrnehmen.

“Massey Ferguson genießt momentan einen stetig wachsenden, weltweiten Geschäftserfolg. Der Grund hierfür ist in den umfangreichen Investitionen über alle Produktreihen hinweg zu suchen. Diese sind getrieben von den wachsenden Anforderungen der sich permanent weiterentwickelnden landwirtschaftlichen Betriebe. Diese Betriebe fordern eine durchgängige Reihe von modernen und vor allem zuverlässigen Landmaschinen. Vor diesem Hintergrund freut sich Massey Ferguson auf ein Jahr voller Feierlichkeiten zum Gedenken an 75 Jahre selbstfahrender Mähdrescher”, kommentiert Campbell Scott, MF Brand Development Manager.

“Massey Ferguson ist gewaltig stolz, der Erfinder und Erneuerer von so zahlreichen Technologien zu sein, welche heute zu den etablierten Standards der Landtechnik zählen. Darunter finden sich die Dreipunkthydraulik, die elektronische Gerätesteuerung  sowie die SCR Motorentechnologie. Wir sind ebenfalls stolz auf die Tatsache, dass es unsere Ahnen von Massey-Harris waren, welche den ersten selbstfahrenden Mähdrescher präsentieren konnten. In dieser Zeit des Feierns des 75. Jubiläums einer solch bemerkenswerten Errungenschaft, ernten wir zugleich die Früchte unserer hohen Investitionen in die Erntetechnik, die wir in den letzten drei Jahren vorgenommen haben. Diese Investitionen sichern den Erfolg unserer langjährigen, treuen, aber auch unserer neuen Kunden, welche ihre Vertrauen auf unsere Marke setzen” fügt Campbell Scott hinzu.

Der MH-20 – der weltweit erste selbstfahrende Mähdrescher

Der Massey-Harris MH-20 – der erste erfolgreiche selbstfahrende Mähdrescher auf dieser Erde – war wahrscheinlich die signifikanteste Entwicklung in der Geschichte der Erntetechnik. Mit seiner Einführung im Jahre 1938 ersetzte der Massey-Harris MH-20 nicht nur die bis dahin gängige Bezeichnung ‘Reaper-Thresher’ (Aufsammel- oder Raffer-Drescher), sondern war gleichzeitig auch der erste, ernst zu nehmende Rivale der gezogenen Mähdrescher, welche damals schon in vielen Ländern der Welt populär waren. Obwohl es schon zahlreiche Versuche mit selbstfahrenden Getreideerntemaschinen gegeben hatte, war bis zu diesem Zeitpunkt keine von Erfolg gekrönt. Der “Massey-Harris Harvester” war jedoch sofort ein Erfolg. Er funktionierte, war vor allem bei den Großbetrieben beliebt und er war der erste einer neuen Generation von Dreschern, die es letztendlich schaffen sollten, die weit verbreiteten, gezogenen Modelle aus nahezu allen Betrieben zu verdrängen. Lediglich Kleinbetriebe blieben dieser herkömmlichen Art der Getreideernte noch einige Jahre treu.

Einer der Gründe, warum der MH-20 dort erfolgreich war, wo andere scheiterten, war die umfangreiche Erfahrung, die Massey-Harris beim Entwickeln und Fertigen von Getreideerntemaschinen besaß. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor war das außergewöhnliche technische Geschick von Tom Carroll, dem Leiter des MH-20 Entwicklungsprojekts. Tom war ein nach Argentinien ausgewanderter Australier, den  Massey-Harris wegen seinem ausgeprägten technischen Talent und seinem umfangreichen Expertenwissen im Bereich der Erntetechnik in sein Team holte.

Er war fasziniert von der Idee, das Massey-Harris einen selbstfahrenden Mähdrescher bauen würde, und es gelang ihm, die Erlaubnis und die notwendigen Mittel für dieses ambitiöse Projekt zu bekommen. Er und sein Team begannen die Arbeit 1936 im Entwicklungszentrum des Unternehmens in Kanada. Innerhalb von nur 2 Jahren gelang die Auslieferung von 8 Prototyp- und Vorserienmaschinen zur Felderprobung an Betriebe in Argentinien. Die Rückmeldungen zur Leistungsfähigkeit dieser Maschinen waren so positiv, dass den Produktionsplänen umgehend zugestimmt wurde.  Bereits im Frühjahr 1939 wurde der erste dieser neuen, revolutionären Mähdrescher an seinen stolzen Besitzer übergeben.
Tom hatte diesen Mähdrescher als Hochleistungsmaschine speziell für Großbetriebe entwickelt. Er war mit einem für die 30er Jahre außergewöhnlich breitem 16 Fuß (4,9m) Schneidwerk ausgestattet. Obwohl der MH-20 eine schwere und teure Maschine war, traf er genau den Nerv der Kundschaft, die sich die Vorteileile eines selbstfahrenden Mähdreschers zu Nutze machen wollten.

Der Grundaufbau des MH-20 ähnelte stark dem eines heutigen Mähdreschers mit einem vorn angebauten Schneidwerk. Damit erleichterte es das Anmähen des Feldes ohne das Risiko, den Strohschwad mit dem Hinterrad zu überfahren, wie es bei den gezogenen Maschinen damals häufig passiert. Die Arbeitsplattform lag mittig oberhalb des Schneidwerks und ermöglichte eine perfekte Sicht zum Mähbalken. Die am Heck befindliche Lenkachse sorgte für gute Wendigkeit im Vergleich zu an den Traktor angebauten Mähdreschern. Der MH-20 war auf einem Fahrwerk mit Unterzügen aus Stahl montiert und wurde von einem Benzinmotor angetrieben. Dieser Motor wurde, wie auch einzelne Antriebskomponenten, im Massey-Harris Traktor verwendet. Der Kraftstofftank des Motors befand sich unter dem Fahrersitz.

Während dieser MH-Typ mit Erfolg auf den Großbetrieben arbeitete und die ersten Maschinen sich auf den Weg nach Amerika und Argentinien machten, arbeitete Massey-Harris bereits am nächsten Projekt. Das Ziel war ein neuer, schmaler, und leichterer, aber vor allem günstigerer Mähdrescher, der sich an zahlreiche kleinere Betriebe verkaufen lassen sollte.

Die Gesamtstückzahl des großen MH-20 wuchs innerhalb von 2 Jahren auf beeindruckende 925 Einheiten. Als jedoch 1941 der MH-21 mit seinem 12 Fuß (3.7m) großen Schneidwerk vorgestellt wurde, wuchs die Nachfrage auf wesentlich größere Stückzahlen an. Die Produktion wurde bis 1949  auf über 10.000 Stück hochgefahren. 

Während des zweiten Weltkrieges führte Massey-Harris mit dem MH-21 die sogenannte ‘Erntebrigade’ an. Die Firma erhielt den Auftrag zum Bau einer Flotte von Mähdreschern, welche von den Südstaaten aus der heranreifenden Ernte folgte, und im Verlaufe dieser Operation jährlich mehr als 1 Million Acre (ca. 400.000 Hektar) erntete. 

Mit den Mähdreschermodellen MH-20 und MH-21 erzielte Massey-Harris einen wichtigen Durchbruch in der Getreideernte, welchem die anderen Hersteller folgen mussten. Tom Carroll’s Rolle in dieser Erfolgsgeschichte wurde nicht vergessen und er erhielt als Belohnung 1958 die Goldmedaille der amerikanischen Gesellschaft der Landtechnikentwickler, als Anerkennung seines Beitrags zur Entwicklung des Mähdreschers.